Köstliche Kindheitserinnerungen - "Let's cook together"

Hallo meine Lieben,

bei "what ina loves" heißt es in diesem Monat: Köstliche Kindheitserinnerungen. Schon seit Wochen freue ich mich darauf, dieses Thema umzusetzen und bin enorm gespannt, welche Rezepte dazu auf Inas Blog erscheinen werden!
Köstliche Kindheiterinnerungen habe ich jede Menge, da in meiner Familie schon immer mit großer Leidenschaft gekocht und gebacken wurde.

Zuallererst möchte ich Euch das Backbuch meiner Großmutter zeigen. Ich hab' es neu gebunden. Als ich es in einer großen Kiste entdeckte, zerfiel es fast in meinen Händen. Einige Generationen von Frauen aus meiner Familie haben schon daraus gebacken. Der erste Eintrag ist von 1845. Wieviel hat es erlebt und überstanden, dieses kleine Buch! Meine Oma hatte es während des Krieges, auf der Flucht aus ihrer Heimat, gehütet wie einen Schatz.

Die Eintragungen sind in altdeutsch. Als Kind verbrachte ich viel Zeit damit, gemeinsam mit meiner Großmutter daraus zu lesen. Diese Schrift zu entziffern, war für mich wie ein kleines Abenteuer. Einige meiner Lieblingsrezepte sind in diesem Büchlein versteckt!!! 

Trotzdem wusste ich sofort, welches Rezept ich für Euch backen wollte: Die Nusskipferl meiner Oma!!! Noch heute habe ich diesen typischen Duft nach Zitronen und gemahlenen Nelken in der Nase. Einfach köstlich! 

Auf einem kleinen Streifzug durch unseren Garten sah ich dann auch noch die Schneeglöckchen und Märzenbecher schon ganz prächtig blühen. Wie schön auch DAS passt! Meine Oma liebte es, kleine Blümchen in kleine Väschen zu stellen und Märzenbecher mochte sie am allerliebsten.
 
Auch beim Backen herrschte eine besondere Atmosphäre in der Küche meiner Großmutter. Jedes Rezept wurde mit großer Sorgfalt und ausgesprochener Ruhe zelebriert. Meine Oma war nie in Eile. Sehr oft durfte ich Freunde zum Backen mitbringen - dann hatten wir es enorm lustig in der winzigen Küche!!! 





Nußkipferl

Zutaten:

250 g Butter
600 g Mehl
2 Eier
Saft und Schale einer Zitrone
1 Tasse Milch
4 EL Zucker
1 Würfel Hefe
250 g gemahlene Haselnüsse
8 EL Zucker
1 Vanillezucker
1 TL gemahlene Nelken
1 TL feiner Zimt
Rosinen (360 Stück!!!)
ein wenig Milch
2 Eigelb zum Bestreichen





Zubereitung:

Mehl in eine Schüssel geben. Zucker, Butter, Zitronenschale und -saft dazugeben, vermengen. Nun die Eier dazu und das Ganze zu einem Teig kneten. Die Hefe in einer Tasse lauwarmer Milch auflösen, zum Teig geben. Wieder kneten. Den Teig nicht gehen lassen, sondern gleich in zwei Teile teilen. Jedes Teil zu einer Rolle formen. Jede Rolle in 30 Stückchen schneiden. Aus den Stückchen Kugeln formen und diese dann zu kleinen Kreisen auswellen. 



Aus Haselnüssen, Zucker, Vanillezucker, Nelken und Zimt mit einem Schuss Milch eine streichfähige  Füllung anrühren. In die Mitte der Kreise geben und  jeweils 6 Rosinen darauf verteilen. Den Rand der Kreise mit Eigelb bestreichen und Hörnchen formen. Dabei den Rand gut zusammendrücken. Die Kipferl mit Eigelb bestreichen und auf mittlerer Schiene 10 Minuten backen, bis sie hellgelb sind. Nochmals mit Eigelb bestreichen und weitere 5 Minuten backen. Dann ein letztes Mal bestreichen und in 5 Minuten fertig backen.



Eine ganze Schüssel mit Nusskipferl!!! Und wisst Ihr was? Beim Backen dufteten sie noch genau wie damals!!!

"Dreimal mit Eigelb bestreichen, das musst Du Dir merken Kind", betonte meine Oma immer. "Nur dann glänzen sie so schön."

Mein Mann musste grinsen, als ich ihm meine "Küchengeschichten" von früher erzählte. Nach dem Backen gönnten wir uns dann einen frischgebrühten Kaffee - auch ganz wie früher. Gar nicht schlecht, das Aroma!

Ich hatte die alten Alben meiner Familie herausgekramt. Es machte Spass, in ihnen zu blättern! Man entdeckt doch immer wieder Neues!

Schaut einmal, meine Mutter als ganz junge Frau in der klitzekleinen Küche meiner Oma! Und heute leben wir in ihrem Haus. Ich vermute, das würde ihr gefallen.

Wenn meine Großmutter uns früher besuchte, trug sie oft genau diese große Schüssel vor sich her. Mit einem sauberen Leinentuch abgedeckt, offenbarten sich darunter immer die wunderbarsten Köstlichkeiten. Schöne Kindheitserinnerungen. Wohlig warm. 

"Jedes Hörnchen bekommt genau sechs Rosinen, Kind. Das musst Du Dir merken!" Siehst Du, Oma, ich hab' mir das GENAU gemerkt  ;) !!!


Nun wünsche ich Euch viel Freude beim Ausprobieren dieses alten Rezepts. 
Und nicht  vergessen: Dreimal mit Eigelb bestreichen und genau sechs Rosinen abzählen - wer weiß, sonst schmecken die Kipferl vielleicht nicht  ;)  ?

Habt ein schönes Wochenende und lasst es Euch gut gehen ♥♥♥!

Herzliche Grüße von
Regina  







Kommentare

  1. Liebe Regina,
    wow, was für ein wunderbares Rezeptbuch. So ein altes Buch, was so viele Zeiten überdauert hat und durch viele Generationen ging ist ein richtiger kleiner Schatz. Das ist unheimlich viel wert, ein Teil eurer Familiengeschichte. Das finde ich wahnsinnig spannend, aber ich mag generell Dinge gerne, die eine Geschichte haben.
    Danke, dass du uns dieses Büchlein gezeigt hast und uns vor allem sogar ein Rezept daraus verraten hast.

    Das ganzer Beitrag samt Bildern ist so wunderbar nostalgisch, einfach nur schön.
    Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
    Anne

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  2. Genau die gleiche Waage hab ich auch noch von meiner Omi hier in der Küche stehen - und auch so ein Kochbuch hab ich noch . . . Oh, da wird mir ganz schwermütig ums Herz! ... liebe Regina, ich brüh den Kaffe auf und du bringst die Kipferl mit ;)
    Gruß Doris

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  3. Liebe Regina, das ist ja herrlich. So ein altes Rezeptbuch hat nicht jeder zu Hause. Wir haben ein altes Haushaltsbuch meiner Urgroßeltern daheim. Es ist in Kurrent geschrieben. Ebenfalls recht schwierig zu lesen. Vielen Dank für das Rezept.

    lg kathrin

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  4. Liebe Regina,
    dein Post erinnert mich an meine Zeit mit der Oma, bei der ich immer in den Ferien war.
    Ich habe bei ihr das Sockenstricken gelernt mit 6 Jahren, nur durch abschauen, gesprochen
    und erklärt hat sie nie viel. So trage ich alle Rezepte, die ich immer wieder mit ihr gebacken
    und gekocht habe im Kopf, vielleicht sollte ich sie mal nieder schreiben. Vanillepudding in der
    Puddingkochform, Linzertorte, Hefezopf, die berühmte Knöllersuppe und die Mehlsuppe.
    Bei der Mehlsuppe muss sie wohl was mit ins Grab genommen haben, sie schmeckt am
    Ende nicht so, wie ich sie kenne, oder mir fehlt der Küchengeruch dazu in der Nase.
    Es ist schön, das du was in den Händen halten kannst, das ist eine sehr schöne Erinnerung
    und ein wunderschöner Post, der auch mir ein paar Tränen in die Augen getrieben hat.
    LG Manu

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  5. Hallo Regina ,
    ich war schon vor paar Tagen hier auf deinem Blog und hatte sogar
    kommentiert . Nur wegen technischer Probleme , die mich hier oft
    begleiten , erschienen meine Zeilen nicht . Das hab ich jetzt behoben
    und nun melde ich mich nochmals .
    Auf Umwegen , die ich jetzt garnicht mehr nachvollziehen kann , bin
    ich auf deinem schönen Blog gelandet , gefällt mir hier und ich komm
    jetzt immer wieder 😊 .
    Das Rezeptbüchlein sieht wie das meiner Oma aus , das jetzt meines ist .
    Ich kann nur leider nicht alles deuten . Und meine Oma hat ihre Rezepte
    nicht preisgegeben . Sie hat toll gekocht und gebacken , es roch immer
    wundervoll , wenn wir sie besuchten . Und es gab so viel leckeres Essen .
    Das ein oder andere Rezept konnte ich ihr mit viel viel Ausdauer entlocken .
    Leider gingen mir davon auch welche verloren , die sich leider auch nicht
    in ihrem Büchlein finden lassen . Aber da probiere ich mich durch und
    nähere mich sogar an .
    Dein Backwerk schaut auch sehr lecker aus , probiere ich bestimmt mal aus .
    Herzlichst sonnige Grüße von JANI

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    1. Liebe Jani,
      wie schön,dass du mich gefunden hast!!! Fühl' Dich wohl und jederzeit willkommen bei mir!
      Auch bei uns gibt es leider einige Rezepte, die verloren sind. Mein allerliebstes Gebäck waren die "Brunnenkrabbler" meiner Oma. Ein Hefegebäck, ähnlich wie Flachswickel. Ich hatte es so oft mit Ihr gebacken, aber leider nie notiert. Alle Versuche sie nachzubacken waren bislang ohne Erfolg. Sie schmecken einfach nicht wie früher... .
      Herzliche Grüße von
      Regina

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  6. Rührend, dieses alte Buch! Rührend auch, weil ich auch an meine vor sechzig Jahren verstorbene mährische Oma denken musste, die auch unter dem wenigen, dass sie auf die Flucht mitgenommen hat, auch ein altes Kochbuch hatte. Leider weiß ich nicht, wo es geblieben ist. Vielleicht findet es mein Bruder noch im Elternhaus.
    An die Düfte ihrer kulinarischen Meisterwerke denke ich auch gerne...

    Wieder so schön von dir in Szene gesetzt!
    Eine sonnige neue Woche!
    Astrid
    die jetzt eine neue Küche und wieder einen gipsfreien rechten Arm hat

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