Was, immer noch Pilze?



Hallo meine Lieben,

HERBST - eine sooo schöne Jahreszeit! Goldenes Licht, Spaziergänge mit raschelndem Laub, die Farben und Gerüche der Natur, Inspiration. Der Herbst ist in meiner Erinnerung untrennbar mit langen Ausflügen in den Wald und der Suche nach Pilzen verbunden. Das ist für mich der Inbegriff von KINDHEITSWOHLGEFÜHL.


Als kleines Mädchen war ich oft mit meiner Mum, einigen Nachbarsfrauen und deren Kindern im Wald unterwegs, um Pilze zu sammeln. Das Essen, das danach zubereitet wurde, war immer ein kleines Fest. Wie oft musste ich in letzter Zeit daran denken.

Eine herbstliche PILZ-WANDERUNG, das wäre toll!!! Silke und ich setzten unsere Idee prompt in die Tat um und meldeten uns und Silkes Mutter zu einer Führung unter dem Motto "Was, immer noch Pilze?" bei dem frischgebackenen Pilzsachverständigen und Naturparkführer Herrn Block an. Den hübschen, giftigen "Fliegenpilz" kennt sicher jedes Kind. Aber wie ist es mit dem Rest? Einfach mal sooo in die Pilze gehen? Da ist große Vorsicht geboten!!! Glücklicherweise gibt es Pilzberatungsstellen oder Experten wie Herrn Block.

Silke, ihre Mum und ich waren ganz gespannt, was uns auf dieser Führung so erwarten würde. Die Blätter der Bäume leuchteten im Sonnenlicht - Herbstimpressionen im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Schaut doch einmal auf Silkes Blog vorbei, was sie über unseren Ausflug so schreibt.

Wir trafen uns auf dem kleinen Waldparkplatz. Sofort war Herr Blocks Fachkenntnis gefragt. Jemand hatte einen Trüffel mitgebracht, der zu bestimmen war. Dann bekamen wir eine kleine Einführung in das Reich der Pilze. Vieles war vollkommen neu und total spannend für mich. Pilze werden grundsätzlich in drei verschiedene Lebensformen eingeteilt: Die "Mykorrhizabildner" leben in enger Symbiose mit Bäumen, die "Folgezersetzer" ernähren sich von unterschiedlichsten Substraten und die "Parasiten" können anderen Lebewesen das Leben ganz schön schwer machen.  

Dann ging es los. Auch die Kleinen waren voll bei der Sache. Herr Block bezog alle auf wunderbare Weise mit ein.


Dieses kleine Fingerchen durfte testen, wie sich die Oberfläche des "Elfenbeinschnecklings" anfühlt: "Glitschig, wie bei einer Schnecke... ".

Auch Hunde waren willkommen. Aber selbstverständlich angeleint, wie es sich für einen Ausflug quer durch den Wald gehört.

Bei jedem Halt erfuhren wir etwas Neues, lernten dazu. Nicht nur die Gestalt der Pilze ist für eine eindeutige Bestimmung von Bedeutung, sondern auch der Geruch, manchmal der Geschmack, die Verfärbung des Pilzes bei Druck, oder wie sich der Pilz bei einem Anschnitt verhält, verfärbt er sich, wie ist die Farbe der austretenden Milch? Dieser "Rettichfälbling" zeichnet sich durch starken Kohlgeruch aus.

Die abwechslungsreichen Formen der Pilze: Baumpilze, Röhrlinge, Pilze mit Lamellen. "Flaschen-Stäubling" und "Hallimasch".

Wir tauchten ganz tief ein in die faszinierende Welt der Pilze. "Schopf-Tintling" und "Birnenbovist".

 Winzigklein oder in Grüppchen.

Bemooster Boden - wie in einem Märchenwald - er fühlte sich fluffig weich unter meinen Gummistiefeln an. Zwischen den Moosen entdeckten wir den "Gelben Knollenblätterpilz".


Auch der "Gelbe Knollenblätterpilz" wächst in Lebensgemeinschaft mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen. Seine Farbe variiert von zartgelb bis rein weiß. Die dicke Knolle und sein intensiver Geruch nach Kartoffelkeimen sind ein gutes Merkmal, um ihn vom Champignon zu unterscheiden. 

Herr Block erklärte uns am Beispiel des Fliegenpilzes wunderbar, warum es bei der Pilzbestimmung so sehr auf die Gesamtgestalt des Pilzes ankommt. Einige Geschichten rund um den Fliegenpilz folgten. Warum heißt er "Fliegenpilz"? In vielen alten Erzählungen über Hexen und Gift spielte er eine Rolle. Vielleicht auch, weil nach dem Verzehr dieses Giftpilzes ein Gefühl des Schwebens (Fliegens) einsetzen kann. Bäuerinnen kochten den Fliegenpilz in Milch und stellten dann Schalen als Fliegenfalle im Fenster des Kuhstalls auf. Viele der spannenden Geschichten und netten Anekdoten werde ich wohl nie wieder vergessen. 


Hier sieht man schön die "Teilhülle" des Fliegenpilzes. Vor dem Aufschirmen des Pilzes schützt sie die Lamellen und bleibt später als Ring oder Manschette am Stiel zurück. Die hübschen weißen Punkte sind lediglich die Reste der Gesamthülle.  

Ein Anschnitt, um uns den milchigen Saft zu demonstrieren, der sich nach kürzester Zeit hier gelb färbt. Eindeutige Merkmale. Bei einem "Lachs-Reizker" färbt sich die austretende orangefarbene Milch beispielsweise ganz rot. Herr Blocks großes Fachwissen und sein enormer Sachverstand haben mich mehr als einmal verblüfft.

Ein noch ganz kleiner "Hallimasch". Woher sein Name stammt, ist leider, leiiiider nicht druckfein  ;) . Auch der Spaß kam nie zu kurz auf unserer Pilzführung.
"Schaut mal, den Baumpilz hier kann man beschriften. Kannst Du schon lesen? Ach, in der zweiten Klasse bist Du bereits? Na dann... !" Nett machte das Herr Block. Es gab viel zum Schmunzeln und Lachen.

Und viiiel zu entdecken für die Kids: Waldzelt und "Strubbelkopfröhrling". 

Oft verließen wir die Wege. Es ging vorbei an idyllischen Plätzen, Quellen und Bächen.

Herr Block führte uns sicher auf kleinen, schmalen Pfaden und auch querfeldein durch den Wald. Immer wieder machten wir Halt und begutachteten unsere Funde.


"Der Gemeine Orangenbecherling sieht aus wie weggeworfene Mandarinenschalen", durch diese bildhaften Erklärungen konnte man sich Vieles problemlos merken.

Eine kleine Pilzschau zwischendurch.

Es gab sooo viel zu entdecken! Wie der Digitalis wohl blüht?

Die Form des Pilzhutes ändert sich in den verschiedenen Entwicklungsstadien.

Zarte Schönheiten in Rosé.


Nur mitsamt der Knolle lassen sich manche Pilze eindeutig bestimmen. Herr Block entdeckte noch ein seltenes Exemplar. 


Langsam machten wir uns auf den Rückweg.

Ein letztes Mal sammelten wir uns auf dem großen Spielplatz, um unsere Funde zu begutachten. Es war spät geworden. Ohhhhhhh, ein gaaanz müder Pilzsucher!


Wie fotogen Pilze doch sind!!! 
Als Abschluss folgte nun die große Pilzschau.

Mit Kennerblick prüfte und bestimmte Herr Block jeden der gefundenen Pilze. Sein Bestreben war, uns fünf Pilze beizubringen, mit denen man auf der sicheren Seite ist: den Maronen-Röhrling, den Hexenröhrling, den Steinpilz, den Pfifferling und den Lachsreizker.


Ganz nebenbei bekamen wir auch etliche Gourmet-Tipps: Den "Lachs-Reizker" bereitet man am besten mit Zwiebeln und Speck und, wegen des intensiven Eigengeschmacks, ganz separat zu. Den "Violetten Lacktrichterling" kann man gut roh genießen - ein schöner Farbtupfer in einem Salat oder als Topping eines Pilzgerichts.

Wir waren eine nette Gruppe. Groß und Klein, Anfänger und Profis. Eine abwechslungs- und lehrreiche Wanderung lag hinter uns. Im nächsten Jahr werde ich mich ganz sicher wieder anmelden. Man lernt nie aus, oder? 


Ohaaaaa, wie es manche wohl geschafft hatten, ihr ganzes Körbchen zu füllen? Ich hatte spärliche DREI (!!!) essbare Pilze in meinem Korb. Der Rest war leider ungenießbar. Nun, ich habe wohl in Bezug auf Pilze noch einiges zu lernen.
Ganz schnell wurde es nun finster und ziiiemlich kalt. Zeit für die Heimfahrt und ein heißes Bad.




Wir hatten enorm viel erfahren an diesem Nachmittag. Und an manche der Geschichten werde ich mich wohl noch lange sehr gerne erinnern.

Einen lieben Dank an Herrn Block, dass ich all diese Fotos hier veröffentlichen darf!

Beim nächsten Post gibt es dann ein leckeres Pilzrezept für Euch - die Walpilze dazu werde ich wohl kaufen müssen... .

Herzliche Grüße von
Regina








Kommentare

  1. Regina, ich hab den 🍄 von Deiner Tochter mitgebracht.
    Das pack ich im Moment jetzt grad gar nicht.
    Ihr zwei seit Mutter und Tochter??????????
    Perplexe Grüsse, SAbine

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  2. Liebe Sabine,
    neeeeiin, Du Süße, wir sind Freundinnen. Silke hatte ihre Mum aber auch mit dabei. Wir haben das vielleicht ein bisschen umständlich geschrieben... ;) .
    Drück dich herzlich.
    Grüßle von
    Regina

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  3. Hallo Regina,
    ich bin schwer begeistert von eurem Ausflug in die Pilze! Das glaub ich, dass es mit Herrn Block sehr interessant gewesen ist, so lehrreich.
    Überhaupt ist auch dieser Post so toll! Danke fürs Mitnehmen!
    LG Marita

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  4. Hallo Regina,
    ein wunderbarer Post und tolle Fotos.
    Wir sind früher auch immer Pilze sammeln gegangen, aber hauptsächlich Maronen und Steinpilze. Alleine der Waldspaziergang war immer herrlich und abends dann ein leckeres Pilzgericht.
    Liebe Grüße von, Petra.

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  5. Liebe Regina, einen violetten Lacktrichterling habe ich auch schon Mal gefunden, der sieht kurios aus. In einem Mischwald findet man so unglaublich viele Pilze, das ist herrlich. Tolle Bilder,!

    Lg kathrin

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  6. Ein toller Post, den ich ganz giftfrei genießen konnte. Danke für die schönen Fotos!
    Gute Nacht!
    Astrid

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  7. Liebe Regina,
    schon klasse, dass es doch noch mit einer Pilzwanderung im Herbstwald mit Euch DREI geklappt hat, das hat mich sehr gefreut und dass das Wetter so mitgespielt hat bei Euch!!!! Es war ja Regen angesagt der bei mir zu traf....
    Eure Fotos und auch deine Schönen erzählen eine kleine schöne Geschichte....
    Vielen Dank für deine schönen Erklärungen dazu, war klasse dies zu erfahren,
    überhaupt, so auch mit Euch unterwegs zu sein.- Ich habe es sehr genossen....
    Nun freu ich mich schon auf Eure Pilzgerichte!! Pilze sind einfach schön zum Anschauen und die, die essbar sind schmecken auch total lecker!!!
    Ein schöner Post!!
    Herzliche Grüße
    von Monika*

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  8. Liebe Regina,
    ihr wart da ja in einem wahren Pilzparadies-Wald! So eine wunderbare Vielfalt habe ich lange nicht mehr gesehen!
    Mit fachklündiger Führung war das sicher ein sehr interessanter und wunderbarer Spaziergang durch die Wunder der Natur!
    Danke für die herrlichen Bilder dazu, jetzt habe ich wald- und Pilzgeruch in der Nase ....herrlich *lächel*
    Hab einen zauberhaften Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  9. Liebe Regina,
    welch interessante und wundervolle Wanderung, einfach klasse. Mehr als den Fliegenpilz erkenne ich auch nicht und Champignons nur wenn sie in der Dose sind. Dass man Pilze nochmals in drei Unterarten einteilt, ist mir auch neu. Dein Artikel ist sehr schön, herrliche Bilder und sehr informativ.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  10. Es ist so herrlich eine Waldwanderung mit dem Sammeln von Pilzen zu verbinden. Als Kind habe ich mit meinen Eltern Pilze im Wald gesammelt. Das war eine tolle Erfahrung. Aber ich denke, dass auch die drei essbaren Pilze schon ein kleiner Erfolg sind. Jetzt werde ich den nächsten Post Pilzrisotto lesen.
    Viele Grüße
    Loretta

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  11. ein toller Beitrag
    und wunderschöne Bilder
    liebe Grüße
    Rosi

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